DSGVO: ein paar Gedanken dazu

Ich bin sehr froh, dass ich meinen Blogumzug noch rechtzeitig über die Bühne bekommen habe, bevor die DSGVO ab 25.5.2018 gegriffen hat. So hoffe ich, dass mein Blog rechtsicher ist, aber kann ich sicher sein?

Bei facebook lese ich im Moment viele Kommentare zu dem Thema und viel Unmut dazu.

Im Detail will ich es im Moment lieber gar nicht wissen…

Erst mal vorab: natürlich ist Datenschutz wichtig. Sicher möchte ich nicht, dass all meine Daten Preis gegeben werden, aber mal ehrlich, sobald man sich öffentlich zeigt oder etwas tut oder zu etwas äußert, ist das in meinen Augen „Datenpreisgabe“.

Hier mal ein paar Dinge, die ich als Daten ansehen würde und die jeder in meiner Umgebung wahrnehmen kann/könnte:

  • Was habe ich für ein Haus? Ist es groß, hab ich einen großen Garten dabei oder nur etwas kleines? Welche Pflanzen pflanze ich an? In welcher Umgebung steht mein Haus? In einer teuren Wohngegend oder nicht? Oder kann ich mir gar kein Haus leisten?
  • Was für ein Auto fahre ich? Haben wir sogar jeder ein Auto in der Familie?
  • Wo gehe ich einkaufen und was liegt auf dem Band? Jeder neben oder hinter mir kann sehen, welche Waren ich kaufe, was sie kosten… und sie haben direkt ein Gesicht dazu, ja vielleicht kennt mich sogar jemand weil ich zwei Kinder im Kindergarten habe?
  • Wenn ich meinen Kindern die Bonbons an der Kasse verweigere und sie sich dann beleidigt auf den Fußboden schmeißen und bocken. JEDER sieht das, ach nee, meine Kinder sind das nicht!
  • Oder beim Bäcker kaufe ich meinem Kind keinen Kuchen, einfach so. Da kommt dann eine ältere Dame und schenkt ihm 1.50-2.00 Eur (oder so), damit ich ihm was kaufen kann. Anscheinend habe ich zu ihm gesagt, dass ich ihm nicht einfach so ohne Anlass so ein teures Teil kaufe. Es muss wohl so ausgesehen haben, als ob ich mir das nicht leisten könnte. Es wurde sich also in meine Erziehung eingemischt, ich bin fast an die Decke gegangen.
  • Wie sind meine Kinder im Kindergarten gekleidet? Jeder kann das sehen, wie unpassend Tops und Hosen sind und wie verlöchert und teilweise fleckig, weil diese nicht mehr raus gehen.
  • Was und wie oft bringe ich etwas mit, oder wo bringe ich mich ein, wenn im KIGA Listen aushängen…
  • Wenn meine Kinder am Strand stehen, sich die Badehose runterziehen und in hohen Bogen ins Meer pinkeln, als ob sie vor der eigenen Hecke stehen.
  • Manchmal erzählt mir unsere Kindergartenerzieherin schmunzeln, was manche Kinder so von zu Hause erzählen. Was da alles zu Tage kommen kann. Und noch dazu, ich weiß es nicht mal. Ich hab nirgends einen Haken gesetzt und eingewilligt, dass meine Kinder einfach Interna aus unserem Familienleben ausplaudern dürfen….
  • Ich kann spontan keine Kindergartenfreunde nach Hause einladen, weil das Haus immer dreckig und mir das peinlich ist, ich möchte es sauber haben, wenn jemand kommt
  • Wieviele gelbe Säcke sammeln sich bei mir so an…
  • Früher an der Supermarktkasse, oh war das peinlich wenn ich Binden/Tampons oder Kondome kaufen musste…
  • google maps: habe ich da jemals zugestimmt, dass ich einverstanden bin, dass mein Grundstück von oben für alle öffentlich im Netz zu sehen ist? Ich weiß nicht mal genau, wann das Foto gemacht wird. Was, wenn ich gerade oben ohne im Plantschbecken liege und dann das Bild davon im Netz hängt? Ich gebe zu, ich gucke öfter mal so, wer in der Gegend einen Pool hat, von außen sieht man das ja nicht so gut, wenn das Grundstück von hohen Hecken umwachsen ist 🙂

Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Was ich damit sagen will ist, das eigentlich das ganze Leben aus Datenübertragung besteht.

Vieles ist auch einfach notwendig. Woher sollen Ladenbesitzer wissen, welche Waren sie ins Angebot aufnehmen sollen oder nicht? Was kommt gut an und was nicht?

Oder aber praktisch:

Neulich beim Bäcker habe ich mitbekommen, dass jemand einen Kaffee wollte und die Kassierin genau wusste, welchen er immer mag. Oh je, hat der jemals ne Datenschutzerklärung unterschrieben?

Oder meine Eierfrau vom Biobauernhof. Ich bin froh, dass sie mich kennt denn dann bekomme ich manchmal noch Eier, obwohl sie gar nicht mehr sooo viele hat.

In manchen Bereichen wünsche ich mir sogar mehr „Überwachung“.

Ich wüsste sehr sehr gerne, welche Hundebesitzer die Hundescheiße auf unserem Radweg nicht mitnehmen oder wer seinen ganzen Müll verteilt. Oder aber wer ständig auf der Skaterbahn Glasscherben produziert, kleine helle Splitter, die für meine Kinder nicht auf den ersten Blick sichtbar sind und ein erhebliches Verletzungsrisiko darstellen. In solchen Bereichen wünsche ich mir Überwachungskameras. Aber nein, der Datenschutz.

Nun denn, man kann das sicherlich noch weiterspinnen.

Soll ich mal übertreiben? Wenn niemand wüsste, was gebraucht werden würden, vermutlich würde dann im Überfluss produziert werden und die überschüssige Ware müsste irgendwie entsorgt und weggeschmissen werden. Das belastet die Umwelt. So was von.

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage. Wir brauchen doch ständig all unsere Daten, um das tägliche Leben zu organisieren.

Wie wäre es wohl, wenn wir in einer transparenten verspiegelten Glaskapsel herumlaufen würden, so dass wir nach draußen alles sehen können, aber niemand sehen könnte, wer wir sind?

Mal davon abgesehen, diese ganzen Rechtstexte, auch zum Datenschutz, die man überall akzeptieren muss, liest die überhaupt jemand? Mal ehrlich? Ich meine, ich habe einen online shop, aber ich gebe zu, dass die AGB und so selbst ich teilweise nicht mal VERSTEHE was alles so gemeint ist…

So what, relaxt mal ein bisschen. Macht uns Bloggern und facebookern und onlineshop-Besitzern das Leben nicht so schwer, ständig wird uns irgendwas Neues in den Weg geschmissen. Es macht echt keinen Spaß mehr!

 

Kleine Anekdote am Rande: Am Dienstag war David Beckham bei uns in der Firma und hat ein Interview gegeben. Ich hab nicht sehr viel gesehen und verstanden und bin nach kurzer Zeit wieder gegangen. Aber meine Kollegin hat ein bisschen was erzählt. Anscheinend war er auf DER royal Hochzeit (Harry und Megan) und wurde gefragt, warum er Kaugummi gekaut hat. Er hat dazu gemeint, dass er Hunger hatte und seine Frau Nüsse in der Tasche hatte, und er ein paar davon gegessen und zerkauft hatte, als just in dem Moment die Kamera auf ihn gerichtet wurde. Da sah es glatt mal so aus, als würde er Kaugummi kauen.

 

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