Interview mit mir und 10 Dinge über mein Leben, die ich vor 10 Jahren so nicht erwartet hätte

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Vor ein paar Wochen wurde ich von sewunity zum Interview eingeladen, was mich sehr gefreut hat. Besonders toll fand ich, dass die Fragen direkt auf mein Label und mich zugeschnitten waren. Da ich schon öfter mit dem Gedanken gespielt hatte, mal ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern, kam, mir das natürlich gerade recht.

Das Interview könnt Ihr hier nachlesen. Viel Spaß dabei.

Und dann bin ich bei Riccarda von Pech und Schwefel über einen Post über ihr Leben gestoßen, den ich sehr interessant fand: 10 Dinge, die ich vor 10 Jahren nicht über mein Leben heute gedacht hätte.

Da hab ich mal so überlegt, was ich dazu antworten würde:

  1. Ich hätte nicht gedacht, dass ich meine Wäsche mal zu 95% mit Efeublättern waschen würde. Ich finde Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema und oft, wenn ich etwas lese, dass ich gut finde, probiere ich es aus und teste, ob ich es gut finde. Ich habe auch z.B. auch schon mit Kastanien gewaschen aber die sind zum Beispiel nicht für weiße Wäsche geeignet und man bekommt sie bekanntlich nur im Herbst. Man kann sie zwar schroten und trocknen, aber das Trocknen im Ofen dauert ganz schön lange und man braucht wieder Energie dafür. Nicht, dass ich jetzt alles haarklein abwägen möchte, aber für mich ist die Option mit den Efeublättern einfach besser umsetzbar. Nur ab und zu wasche ich mal mit gekauftem Waschmittel. Hartnäckige Flecken bekommt man mit Efeu nicht weg, aber ich glaub das geht auch mit normalem Waschmittel nicht. Gerne würde ich auch selbst gemachte Spülmaschinentabs nehmen, aber ich hab es getestet und es blieb immer so ein unangenehmer Fettfilm auf dem Geschirr.
  2. Vor 10 Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich mal selbst genähte Damenbinden benutzen würde. Als ich das erste Mal davon gelesen habe fand ich das eklig. Aber dann dachte ich, es ist gut für die Umwelt. Da ich auch nicht groß unterwegs bin komme ich damit gut klar. Es funktioniert seit knapp 2 Jahren. Hier findest Du mein kostenloses Schnittmuster, falls es dich auch interessiert (ich würde nur keinen Klett mehr nehmen sondern Druckknöpfe). Ich benutze auch selbst genähte Taschentücher aus alten Musselinspucktüchern meiner Kinder. Auch das funktioniert super gut. Beides spart einen Haufen Müll. Früher wurde man oft „Öko“ genannt, wenn man sich um solche Sachen Gedanken gemacht hat und heute wird man fast beschimpft, wenn man sich nicht zu 100% um die Umwelt kümmert bzw. viele Dinge nicht ändern kann oder will. Ich bin weit davon entfernt, super nachhaltig zu leben, aber ich versuche, wo es geht, es in den Alltag zu integrieren.
  3. Nie hätte ich gedacht, dass ich mal zwei Bücher zum Thema Nähen und Stoffgestaltung schreiben würde, und das auch noch im Eigenverlag. Ich bin durch einen Podcast darauf gekommen und es hat sich für mich gut angefühlt. Es sind zu 100% meine Bücher. Nähliebe und Plotterspaß und Plotterspaß und Druckvergnügen.
  4. Wär hätte gedacht, dass ich mal Stoffdesigns entwerfen würde und es diese sogar für Händler und Endkunden zu kaufen geben würde. Im Laufe der Jahre kam ich mit Grafik und Illustration immer mehr in Berührung und so kam es, dass ich meine erste Stoffkollektion für hilco gemacht habe und diese gleich eine Bestseller Kollektion und ein paar der Designs sogar unter den Top 10 der letzten 10 Jahre von Hilco waren. Ich hab nen Freudentanz getanzt.
  5. Niemals hätte ich gedacht, dass ich soviel, was in der Vergangenheit passiert ist, einmal vergessen würde und ich erst wieder durch Gespräche und mein Tagebuch daran erinnert wurde. Als ich neulich ein Tagebuch von 2004 in die Hände bekam, war ich so neugierig und wollte es lesen. Und da wurde ich wieder an meine Arbeit bei Wolfgang Joop und seinem damals neuen Label Wunderkind erinnert. Ich habe einige Teile genäht und zwei davon wurden in der Vogue abgedruckt. Ich hab mir gleich das Heft gekauft, weil ich sooo stolz darauf war ;-).
  6. Ich hatte knapp die letzten 20 Jahre kurze Haare. Immer mal wieder anders farbig und auch unterschiedlich kurz, aber immer kurz. Vor einigen Jahren wollte ich sie dann mal wieder länger haben. Als ich darüber nachdachte, sie wieder abzuschneiden, waren meine zwei Jungs und mein Mann einstimmig dagegen. Also blieben sie lang. Dass ich mich wieder damit wohl fühlen würde und sogar wohler als mit kurzen Haaren hätte ich nicht erwartet. Und dass ich mal ein Bild von mir mit zwei Zöpfen a la Schulmädchen (wie mein Mann das nannte) im Alter von 43 Jahren ins Netz stellen würde, hätte ich schon gar nicht gedacht. Das Gute an den langen Haaren ist, dass ich wieder Röcke trage. Aus mir unerfindlichen Gründen habe ich mich mit kurzen Haaren und Rock nicht wohl gefühlt.
  7. Dass ich mal Geräte von apple besitzen würde wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Ich habe mir ein ipad gegönnt, das ich hauptsächlich zum Zeichnen (und surfen) benutze und letztes Weihnachten habe ich ein iphone bekommen. Ich hatte mal so geäußert, dass ich schon gern eines hätte, weil man damit einfach mal schnell schöne Bilder für Instagram machen kann, aber dass es dann tatsächlich unterm Baum liegt…??
  8. Dass ich mal wieder voll auf die Farbe rosa abfahren würde, hätte ich vor 10 Jahren auch nicht gedacht. 2004, als ich meinen ersten Job hatte und in einer WG gewohnt hatte, war mein Zimmer rosa gestrichen und die Deko durchgängig in pink. Nun bin ich wieder bei rosa/pink gelandet. Die meisten meiner Blumen im Garten sind rosa oder pink. Ich wollte neulich mal herausfinden, ob es einen Grund dafür geben könnte und als ich dann gelesen habe, dass rosa Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, und man sogar in einem Knast die Wände rosa gestrichen hat, so dass sich die Häftlinge beruhigen, ist es mir klar geworden. Nicht, dass ich schon durchgehend ruhig und gelassen wäre, aber ich möchte es gerne sein. Mein Leben war schon teilweise recht  stressig und hektisch und es darf ruhig ruhiger werden.
  9. Damit gleich ein guter Übergang: Ich schreibe seit einigen Wochen ein Dankbarkeitstagebuch und habe zu meditieren angefangen. Früher hätte ich das wahrscheinlich für eine Riesenschwachsinn gehalten, aber nun hab ich es mir zur Morgenroutine gemacht und wünsche mir, dass es mir gut tut. Wenn mir jemand vor 10 Jahren gesagt hätte, dass ich mal meditiere, dann hätte ich ihn vermutlich für bescheuert erklärt.
  10. Dass ich mal so wenig Lust und Muße auf Nähen habe und mich so viele unterschiedliche Sachen interessieren, hätte ich auch kaum vermutet. Nähen und das Drumherum war quasi mein Leben. Im Moment habe ich eher auf alles andere Lust, nicht aber auf Nähen. Sicher ist ein Grund dafür, dass ich es ja quasi ständig um mich habe, weil viele meiner Produkte irgendwie mit Nähen zu tun haben. In letzter Zeit mache ich viele Sachen, die ich schon als Kind oder Jugendliche gemacht habe. Als Kleinkind war ich mit Papier, Kleber, Schere und Stiften glücklich. Kreativ mit Papier und Co bin ich heute auch wieder sehr gern. Als Jugendliche habe ich mal im Garten meiner Eltern Papier geschöpft und mir einen fetten Sonnenbrand dabei geholt. Vor einigen Wochen habe ich auch wieder viel Papier gemacht, glücklicherweise ohne Sonnenbrand… ;-). Im Werkunterricht in der Grundschule haben wir getöpfert und auch am Gymnasium habe ich freiwillig nachmittags Unterricht genommen und auch während des Studiums in Berlin war ich ab und zu töpfern. Noch habe ich erst mal fertiges Geschirr glasiert aber das Töpfern wird bald wieder kommen bei mir. Bine Brändle hat mich total infiziert.

So, das wars. Hat mir Spaß gemacht, darüber nachzudenken. Wie es wohl in 10 Jahren aussehen wird? Veränderung ist ja bekanntlich gut. Was wohl bleibt, was wohl anders wird?

Macht es Euch schön!

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